4 Männer, 3 Frauen. Sie lachen, erzählen Geschichten.
Wenn ich aus dem Fenster schaue ist es grau. Ab und zu blitzt die Sonne durch die dicken Wolken, aber sie kann sich nicht durchsetzen.
Ganz hinten auf dem Meer fahren "dicke Pötte". Eins Richtung Hamburg, eins Richtung England.
Manche sind stumm und hören den Geschichten zu die die anderen erzählen. Sie schauen teilnahmslos aus dem Fenster.
Es sind schon die ersten Feriengäste da. Sie laufen dick eingemummelt draussen am Fenster vorbei. Eine Kindergruppe läuft mit den Betreuerinnen in Richtung Strand. Mit Käschern bewaffnet geht es los ins Watt.
Die Gäste erzählen vom Urlaub der vergangenen Jahre in den Bergen. Sie trinken Bier und Wein zu Mittag weil man sich ja was gönnt.
Dann kommt eine zweite Kindergruppe. Am Wasserstandsanzeiger bleiben sie stehen und werden wohl über die Gefahren von Ebbe und Flut aufgeklärt.
Die Strandkorbvermietung hat von 9 - 13 Uhr geöffnet. Ich war zu spät.
Ganz leise ist Pferdegetrappel zu hören. "Watt´n Wagen" scherzen die Gäste. Der Wattwagen ist voll besetzt. Alle sind dick eingepackt mit Decken auf den Knien, denn im Watt wird es kalt.
Es kommen immer wieder Kurgäste vom Strand. Viele sind spazieren gegangen, einige mit Rucksack. Sie waren wohl länger unterwegs.
Es ist ziemlich windstill heute. Eher ungewöhnlich für einen Kurort am Meer. Wenn eine kleine Brise weht, dann kommt sie aus Süden. Es riecht nicht nach Meer. Es riecht nach Grau. Ganz hinten am Tisch sitzen zwei Frauen und erzählen sich lebhaft Geschichten aus ihrem Leben.
Heute Abend ist bei den Männern und Frauen "Karaokeabend". Sie sprechen sich ab, freuen sich schon drauf und lachen.
Die Bedienung ist sehr freundlich, kommt an den Tisch und fragt ob die Gäste noch etwas trinken mögen. Die lehnen aber ab. Sie rufen zum Aufbruch. Einer zahlt, alle anderen sind überrascht. Damit hatten sie nicht gerechnet.
Es wird ruhiger, denn die Leute vom Nachbartisch sind aufgebrochen.
Der Himmel wird langsam blau. Immer öfter lassen die Wolken die Sonne durchscheinen. Jetzt wird der Strand gelb und das Gras grün.
Ich trinke einen Milchkaffee und genieße die freie Zeit mit Blick nach Neuwerk. Mein Neuwerk!
Ein älteres Ehepaar kommt ins Cafe. Sie sitzen sich eine ganze Zeit schweigend gegenüber und trinken Tee. Sie kommen vom Strand. Dann brechen sie auf. Es sind wohl Stammgäste, denn sie bezahlen nicht. Sie wollen morgen wieder kommen.
Im Hintergrund läuft Musik von Peter Fox: "Alles Neu!". Wie passend. Die Bedienung summt das Lied leise mit. Sehr sympatisch. Manche Gäste, die vom Strand kommen, laufen barfuß. Mutig, denn es ist doch mit 12°C noch ziemlich kühl draussen. Die Möven kann man heute nicht sehen. Die fliegen weit hinten über das Watt.
Nachdem ich den letzten Schluck Milchkaffee genüsslich ausgetrunken habe breche ich wieder auf. Noch ein kurzer Gang zum Strand, einmal noch in Richtung Neuwerk schauen und dann geht es zurück nach Hause.